Die Kamera zoomt das verschmitzte Kindergesicht nah heran. Die 13-jährige Anne-Sophie, Tochter des Zeitungsherausgebers Karl-Wilhelm Mutter aus der baden-württembergischen Wehr, hat es sich auf dem Sofa bequem gemacht. Der Reporter fragt höflich: „Stimmt es, dass Sie einmal Geigerin werden wollen?“ Sie bejaht. Der Interviewer legt nach: „Was aber, wenn es nicht klappt? Gibt es einen Plan B?“ Das Kind lächelt verschmitzt und fügt nachdenklich hinzu: „Warum soll es denn nicht klappen?“ Ja, warum denn nicht, wenn man so talentiert ist? Als das Kind aus dem Schwarzwald Herbert von Karajan vorspielt, ist der Maestro begeistert und beschreibt seine Entdeckung so: „Man kann sie nicht als Talent bezeichnen, sie ist einfach ein Genie auf der Geige“ – und öffnet ihr das Tor in die Welt der Klassik. Das „Wunderkind“ rückt in den Fokus. Als man die Geigerin Jahre später in einem Interview für einen deutschen Radiosender darauf anspricht, antwortet sie, inzwischen selbst Mutter von zwei erwachsenen Kindern, ohne den leisesten Anflug von Eitelkeit, dass jedes Kind doch ein Wunder sei. Der Rest ist Musikgeschichte.
2026 kann sie 50 Jahre auf der Konzertbühne verbuchen. Aus dem Wunderkind ist längst ein Phänomen geworden. Bände könnte man über Mutters Engagement für junge Talente füllen. Ein Kapitel davon sind „Mutter’s Virtuosi“, junge Musikerinnen und Musiker, mit denen sie auf Tournee geht. Zwei davon, der Cellist Kian Soltani und der Kontrabassist Roman Patkoló, sind Teil des ersten der drei Konzerte ihres Schwerpunkts im Musikverein, bei dem sie Werke von Clara Schumann und Mendelssohn mit Zeitgenössischem von Sebastian Currier und André Previn kombiniert.




